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Innovative RNA-Therapien: Wie Medikamente wirksam bleiben

Einblick in „Eckernkamp Fellowship”-Projekt am Helmholtz-Institut Würzburg

Würzburg, 15. Juni 2026 – Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp fördert ein zukunftsweisendes Promotionsprojekt am Würzburger Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI). Der Stipendiat Vincent Lau widmet sich einer bislang wenig beachteten, aber klinisch hochrelevanten Herausforderung: der Rolle des menschlichen Mikrobioms beim Abbau systemischer Arzneimittel – und der Frage, wie sich diese mikrobiellen Prozesse gezielt unterbinden lassen.

Das menschliche Mikrobiom ist für unsere Gesundheit unverzichtbar – und es entscheidet mit darüber, wie gut Medikamente im Körper wirken. Bestimmte Darmbakterien können therapeutische Wirkstoffe chemisch verändern oder sogar vollständig abbauen, noch bevor sie ihr Ziel erreichen. Die Folgen reichen von spürbaren Wirkungsverlusten bis hin zur Entstehung potenziell toxischer Abbauprodukte. Für die klinische Praxis wird das zunehmend zum Problem: Selbst korrekt dosierte Arzneimittel können an Wirksamkeit einbüßen, wenn sie bereits im Darm inaktiviert werden. Genau hier setzt Vincent Laus Forschungsprojekt an. Der Doktorand am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ist Stipendiat der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp.

Die Würzburger Stiftung hatte das Fellowship-Programm im Jahr 2018 gemeinsam mit dem HIRI ins Leben gerufen. „Unser Ziel ist es, wegweisende Forschung am Wissenschaftsstandort Würzburg zu unterstützen und dafür junge talentierte Nachwuchsforschende zu fördern“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Gunther Schunk.

Im Labor von HIRI-Direktor Jörg Vogel erforscht Lau eine innovative Strategie, um diese durch das Mikrobiom ausgelösten Medikamentenresistenzen zu überwinden: den Einsatz von Antisense-Oligonukleotiden (ASOs). Diese kurzen Nukleinsäureketten binden gezielt an bakterielle Boten-Ribonukleinsäure (mRNA, von engl. messenger ribonucleic acid), die den Bauplan für die zugrunde liegenden Enzyme enthält. „ASOs haben einen entscheidenden Vorteil: Sie blockieren ausschließlich die Produktion dieser Stoffe. Die Bakterien selbst hingegen bleiben lebensfähig. Somit bleibt das mikrobielle Gleichgewicht im Darm erhalten“, erklärt Vincent Lau. „Damit eröffnet sich ein völlig neuer therapeutischer Weg.“

Das große therapeutische Potenzial dieses Ansatzes konnte Vincent Lau bereits eindrucksvoll demonstrieren. Im Fokus standen ein Chemotherapeutikum, das in der Krebstherapie eingesetzt wird, sowie das Darmbakterium Escherichia coli. Unter normalen Bedingungen ist E. coli in der Lage, den Wirkstoff auszuschalten. In Modellsystemen führt dies dazu, dass Tumorzellen bedeutend weniger tödliche DNA-Schäden erleiden und so nahezu ungehindert weiterwachsen. Durch den gezielten Einsatz von Antisense-Oligonukleotiden gegen das verantwortliche bakterielle Gen ließ sich dieser Abbauprozess jedoch blockieren. Das Medikament blieb wirksam, das Tumorwachstum wurde gehemmt.

„Diese Methode könnte künftig dabei helfen, die Wirksamkeit wichtiger Medikamente zu sichern und Therapien durch gezielte Eingriffe in die Genexpression von Bakterien zu verbessern“, blickt Lau voraus.

Über das Fellowship-Programm

Im Jahr 2018 starteten die Würzburger Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp und das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) ihr erstes Forschungsstipendium. Die Kooperationspartner ermöglichen mit ihrem Fellowship-Programm herausragenden Nachwuchswissenschaftler:innen die Aus- und Weiterbildung im Rahmen einer Promotion.

Über Vincent Lau

Vincent Lau schloss sein Studium der Pharmazie an der Universität Greifswald im Oktober 2024 ab, wo er auch ein Diplom in Pharmazeutischer/Medizinischer Chemie und einen BSc in Humanbiologie erwarb. In seinen Forschungsprojekten widmete er sich dem molekularen Datenmanagement und sammelte Praxiserfahrungen im Bereich der Immunologie und Mikrobiologie. Seit 2024 promoviert er am HIRI. Der Fokus seiner Doktorarbeit liegt auf der Entwicklung von Antisense-Oligonukleotiden (ASOs) zur Modulation von bakteriellen Stoffwechselwegen, die mit der Metabolisierung bestimmter Arzneistoffe assoziiert sind und potenziell negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. ASOs zur Bekämpfung bakterieller Infektionen bei komplexen Erkrankungen sind ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung. Lau wird durch das Fellowship-Programm der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp gefördert.

Über die Vogel Stiftung

Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp wurde 2000 von dem Würzburger Verleger Dr. Kurt Eckernkamp und seiner Frau Nina Eckernkamp-Vogel gegründet. Unter dem Motto „Teilhabe am Leben durch Forschung“ fördert sie Forscher:innen am Wissenschaftsstandort Würzburg. In den zurückliegenden 25 Jahren hat die Einrichtung rund 150 Einzelprojekte in der Region Würzburg mit insgesamt 6,5 Millionen Euro unterstützt. Im Fokus standen dabei neben der Wissenschaft auch die Förderfelder Bildung, Kultur und das Gesundheitswesen.