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Das große Interesse an den kleinen Dingen

Marco Antonio Olguín Nava stammt ursprünglich aus Mexiko und ist seit Juni 2020 Doktorand am HIRI in Würzburg. Im HIRI-Graduiertenprogramm „RNA & Infektion“ erforscht er Viren – und auch privat stehen für Marco oft die kleinen Dinge im Fokus.

 

„In meinem Bachelor-Studium kam ich mich das erste Mal mit Viren in Kontakt – und habe mich direkt in sie verliebt“, erinnert sich HIRI-Doktorand Marco Antonio Olguín Nava, der sich mittlerweile auch am Institut mit den Pathogenen beschäftigt. Dass auf einen Bachelor jedoch nicht direkt ein Master folgen muss, beweist Marcos Weg zur Infektionsforschung.

Über Umwege zum Ziel

Erfahrungen außerhalb der akademischen Welt sammeln – das wollte Marco zunächst nach seinem ersten akademischen Abschluss. Bei einem Pharmaunternehmen war er unter anderem in der Qualitätskontrolle tätig. Dort untersuchte Marco die Stabilität von Medikamenten bei unterschiedlicher Temperatur und Luftfeuchtigkeit. „Es war interessant zu sehen, wie in der Industrie geforscht wird. Industrielle Forschung ist mehr auf das Endprodukt ausgerichtet. Die Umgebung ist kontrollierter, die Vorschriften sind strenger“, beschreibt Marco die Unterschiede zwischen akademischer und industrieller Forschung.

Doch nach fünf Jahren zog es Marco zurück zur Universität: „Ich hatte das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich wollte wieder anspruchsvollere Arbeit leisten.“ Er bewarb sich für einen Master in Biochemie an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko. Leicht fiel ihm die Entscheidung nicht: „Ich war sesshaft, hatte einen Job, habe meine Rechnungen bezahlt – und auf einmal war ich wieder Student“, schildert er. „Aber ich habe richtig gehandelt.“

Im Labor von Susana López erforschte er im Zuge seines Master-Projekts die Wechselwirkungen zwischen Rotaviren und dem menschlichen Immunsystem. Das Projekt wurde jedoch nach einem Jahr eingestellt, Marco musste sich umorientieren. Sein neues Thema: Alternative Mechanismen bei der Translation, also dem Übersetzen der Boten-Ribonukleinsäure (RNA) in Proteine, in viralen Infektionen. „Als ich nach einem Jahr mein Thema wechseln musste, war das schwierig. Die Hälfte meines Masters war vorbei und auf einmal musste ich wieder von vorne beginnen“, erinnert sich Marco. „Doch wenn ich zurückblicke, war es gut, denn so kam ich zu meinem Forschungspraktikum in Heidelberg.“

Die deutsche Art, zu forschen

Im Labor der Heidelberger Wissenschaftlerin Alessia Ruggieri lernte Marco die deutsche Forschung kennen und lieben. „Es war eine andere Art, Wissenschaft zu betreiben: schneller, effizienter. Ich konnte Technologien nutzen, die wir in Mexiko nicht haben.“ Für Marco war klar: Promovieren will er in Deutschland. Auf der Suche nach Arbeitsgruppen, die an Viren forschen, stieß er auf die HIRI-Forschungsgruppen von Redmond Smyth und Mathias Munschauer – und auf das Graduiertenprogramm „RNA & Infektion“. „Der Bewerbungsschluss war bereits in eineinhalb Wochen. Ich musste mich sehr anstrengen, alle Unterlagen rechtzeitig einzureichen“, erinnert er sich. Für Marco war die Rotation ein großer Pluspunkt des Programms. Interessenten bewerben sich nicht für ein bestimmtes Labor. Stattdessen dürfen die erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerber zunächst drei verschiedene Labore am HIRI kennenlernen. „Es ist wirklich schön, zu sehen, wie die Labore arbeiten: Wie ist die Organisation? Wie ist die Stimmung im Labor? Wie ist die Betreuung?“, sagt Marco.

Entschieden hat er sich letztendlich für das Labor von Redmond Smyth. „Sein Labor war für mich die beste Wahl“, erklärt Marco. Dort beschäftigt er sich momentan mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. „Wir bauen sozusagen unsere eigenen Coronaviren. Das hilft uns dabei, sie besser zu erforschen. Wir können mutierte Viren erzeugen und so ihr Verhalten überprüfen. So können wir voraussagen, wie sie sich entwickeln – und auch Medikamente testen“, erläutert er.

Und nicht nur in seiner Forschung hat Marco ein Auge für Details. „Ich habe schon immer gerne mit den kleinen Dingen gearbeitet“, erklärt Marco, der in seiner Freizeit Makroaufnahmen anfertigt. Besonders gerne ist er dabei in den Weinbergen hoch über den Dächern Würzburgs unterwegs. „Natürlich sind Landschaften mit Bergen, Seen oder dem Meer beeindruckend. Aber man kann Schönheit auch in einer Münze auf der Straße, in den Falten einer Hand oder in einer kleinen Blume finden.“


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