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Per Du mit der Genschere

Adini Arifah ist seit 2021 Doktorandin im HIRI-Graduiertenprogramm „RNA & Infektion“. In ihrer Forschung hat sich die gebürtige Indonesierin ganz der Genschere CRISPR-Cas verschrieben.

„Es ist einfach faszinierend, wie CRISPR die Genom-Editierung, also das gezielte Verändern von Genen, revolutioniert. Vor CRISPR-Cas gab es zwar bereits Werkzeuge zur Bearbeitung von genetischen Informationen, aber CRISPR ist schneller, kostengünstiger und einfacher in der Anwendung“, schwärmt HIRI-Doktorandin Adini Arifah von der Genschere, die die Forschung im Bereich der Biologie erheblich beschleunigt hat. Besonders deren Geschichte und Entwicklung haben es der jungen Wissenschaftlerin angetan: „Alles begann mit der Entdeckung von Wiederholungen in der Erbgutsequenz von Bakterien, deren Funktion komplett unbekannt war. Und genau diese Wiederholungen sind nun Teil eines nützlichen Werkzeugkastens – und das nicht nur für die Genom-Editierung, sondern auch für andere Ansätze in der Gentherapie oder für die Diagnostik.“

Einschneidende Forschung

Mittlerweile erforscht Adini dieses genetische Werkzeug im Labor von HIRI-Abteilungsleiter Chase Beisel: „Wir beginnen gerade erst, CRISPR zu verstehen – und zwar nicht nur die Möglichkeiten der Methode, sondern auch ihre Grenzen. Dass es Schwächen gibt, macht CRISPR nicht automatisch schlechter. Es ist unsere Aufgabe als Wissenschaftler, diese Einschränkungen zu erforschen und zu verstehen, um die Technologie zu verbessern.“ In ihrem Forschungsprojekt hat Adini besonders eine Schwäche im Blick: die Zytotoxizität. Bei der Anwendung von CRISPR-Technologien besteht die Gefahr, dass sie sich auch gegen gesunde Zellen richten und sie schädigen. Adini will verstehen, warum das passiert und wie man CRISPR gezielt steuern kann. Sie will ihre Forschungserkenntnisse nutzen, um CRISPR-Technologien zu verbessern und diese in neue Anwendungen übertragen.

Adinis Interesse an Wissenschaft und Forschung war stets groß: „Ich wusste zwar nicht von Anfang an, dass ich in die Forschung gehen werde, aber mir war schon immer klar, dass ich die Wissenschaft und insbesondere die Biologie liebe.“ Sie bekam schließlich die Chance, mit einem Stipendium Biotechnologie in Malaysia zu studieren. In dieser Zeit lernte sie die Molekularbiologie und die Gentechnik kennen und lieben: „Ich war fasziniert von den molekularen Grundlagen des Lebens. Aber nach meinem Bachelor-Studium gab es so viele Dinge, die ich noch nicht wusste oder verstand. Das war meine Motivation, meinen Master in den Niederlanden zu machen.“ Und weil ihr Wissensdurst nach dem Master nicht gestillt war, stand für Adini fest, dass sie ein Promotionsstudium anschließen will.

Durch einen Kollegen ist sie auf das HIRI-Graduiertenprogramm aufmerksam geworden – und das war perfekt für Adini. „Gegen Ende meines Masters begann ich, mich mehr und mehr für RNA zu interessieren. Ich wollte RNA-basierte Therapeutika erforschen und entwickeln, aber mir fehlte die Erfahrung. Ich hatte zwar bereits mit CRISPR gearbeitet – RNA ist eine der Hauptkomponenten der CRISPR-Cas-Systeme – aber nicht direkt mit RNA“, erzählt sie. Das Rotationssystem des Programms war also eine gute Möglichkeit, den Einstieg in die RNA-Forschung zu finden und deren Methoden kennenzulernen. Denn Interessent:innen bewerben sich nicht für ein bestimmtes Labor. Stattdessen dürfen die erfolgreichen Bewerber:innen drei verschiedene Labore am HIRI kennenlernen. „Ich habe während meiner Rotationen etwas über RNA-seq, die Transfektion von menschlichen Zellen, die Produktion von Viren und über die Mikroskopie gelernt. Diese Erfahrungen haben sich als nützlich für das Projekt erwiesen, an dem ich derzeit arbeite.“

Würzburg – nicht zu groß, nicht zu klein

Für das Graduiertenprogramm ist sie nach Würzburg gezogen – eine gute Entscheidung, wie sie findet. „Mir gefällt, dass in Würzburg nicht allzu viel Trubel herrscht, aber auch genug, so dass ich immer die Möglichkeit habe, am Wochenende etwas zu unternehmen. Es gibt viele Konzerte und Festivals, eine große Auswahl an Restaurants sowie Möglichkeiten für Sport und andere Aktivitäten. Ich komme aus dem geschäftigen Jakarta und habe meine anderen Studiengänge in Kleinstädten absolviert. Würzburg liegt dazwischen – und das mag ich an der Stadt“, erzählt Adini, die in ihrer Freizeit gerne backt, sich um ihre Pflanzen kümmert oder digitale Illustrationen anfertigt. Ein weiterer Vorteil der unterfränkischen Universitätsstadt ist ihre Anbindung an das ICE-Netz und die Nähe zum Frankfurter Flughafen. „Für jemanden, der von weit herkommt, ist das sehr wichtig. Außerdem kann ich so bequem meine Freunde in den Niederlanden und anderen deutschen Städten besuchen.“


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